Wie kommt man zu einem Achal Tekkiner

Wie kommt man zu einem Achal Tekkiner

Ich war auf der Suche nach einem Quarterhorse und rief auf eine Anzeige an.

Als ich dort ankam, war die Stute gerade verkauft und der nette Herr fragte mich, was ich denn mit dem Pferd machen wolle. Ich sagte, ich wolle ein Verlass Pferd zum spazieren reiten. Er ging mit mir aus den Stallungen und sagte, schauen sie mal hier, wie gefällt ihnen denn dieses Pferd.

Am Putzplatz stand eine wunderschöne große Schimmelstute, 163, fix und fertig gesattelt, natürlich Westernsattel. Mir war sofort klar, das musste ein Vollblut sein und er sagte, das ist ein Achal Tekkiner und erklärte mir gleich, dass es ein besonderes Pferd sei. Ein Einmannpferd, was seinen Reiter beschützt und so weiter. Ich dachte, was der mir so erzählt… bla bla bla.   

Die Schimmelstute war wunderschön, aber kein Quarterhorse.

Er fragte, wollen sie das Pferd mal reiten oder soll ich sie ihnen vorreiten. Naja, jetzt war ich schon mal hier und warum nicht, soll er sie mir vorreiten.

Wir gingen in die Reithalle, er stieg auf die Schimmelstute und ging ein paar Runden im Schritt am langen Zügel und zeigte und erklärte mir, sie sei auch einhändig ausgebildet. Was dann kam war unglaublich. Er ritt mit ihr klassische Dressur, erst Trab und Galopptraversalen dann Galopp-Pirouetten, passagierte und piaffierte. Es war ein Traum, dieses Paar nur anzuschauen.

Er stieg ab und ermutigte mich aufzusteigen. Ich, Freizeitreiter, keine Ahnung von dem was ich gesehen hatte. Dann hatte sie noch ein Pellham, von dem ich bisher immer dachte, oh je,  Stacheldraht hat das arme Pferd im Maul.

Ich hatte echt Schiss, was falsch zu machen. Er schaute sich das ein paar Minuten an, dann sagte er, so geht das nicht, machen sie mal so…… und“ plötzlich schwebte sie unter mir. So ein Gefühl hatte ich noch nie in meinem¨ Leben auf einem Pferd.

Aus meinem Kopf stiegen die Herzchen die jeder sehen konnte und es war klar,
dass ich dieses Pferd haben wollte, egal was es kostet.

Er sagte zu mir, sie wollen doch ausreiten, rufen sie mich morgen früh um 7 Uhr an, wenn das Wetter gut ist, gehen wir ausreiten. An schlafen war kaum zu denke. Um 6 Uhr stand ich auf und konnte es kaum erwarten, bis ich um 7 Uhr anrufen konnte und das erhoffte, ja wir reiten aus, bekam.

Als ich auf dem Hof ankam, stand mein Traumpferd schon fix und fertig, wie auch schon beim ersten mal,  gesattelt auf dem Putzplatz. Herr Z. kam auf mich zu, begrüßte mich und wir stiegen direkt auf die Pferde und ritten los. Im Wald kamen wir an eine Stelle an dem der letzte Sturm sämtliche Bäume¨ umgeworfen hatte. An weiterreiten war kaum zu denken. Es sah aus, wie ein¨ Mikado Spiel in groß. Herr Z. sagte, lassen sie die Zügel los, meine Pferde¨ suchen sich ihren Weg alleine.

Am liebsten wäre ich umgekehrt, aber die¨ Pferde sind so gelassen und sicher durch das Mikado Feld gelaufen, als wäre¨es nichts. Wieder auf dem Weg angekommen, sagte Herr Z.: „Jetzt galoppieren¨Sie mal an,  den Berg hinauf“. Ich nahm den Schenkel minimal zurück und los¨ ging‘s. Nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass ich ganz alleine am Galoppieren¨ war und hielt an.

Als ich mich umdrehte, sah ich wie Herr Z. unten am Berg¨ mit seinem Pferd stand und mir zuschaute.¨ Zurück auf dem Hof, wurde ich gelobt, das würde ganz gut klappen, allerdings¨ mit dem Einwand, ich solle morgen nochmal kommen. Er wolle mir noch ein „bisschen“ Dressurunterricht geben.¨

Also wieder das gleiche Spiel . Ich musste um 7 Uhr anrufen und konnte dann um 8 Uhr kommen. Mein Traumpferd war, wie nicht anders zu erwarten,  fix und fertig gesattelt und ich sollte schon mal alleine in die Halle. Er kam dann nach, um mich zu korrigieren. Ich kam mir vor, wie ein kleines Mädchen, das seine ersten Reitstunden bekommt. Ich hatte das Gefühl, die letzten 30 Jahre nie reiten gelernt zu haben, sondern mich nur habe tragen lassen von meinen Pferden.

Aber das war alles egal, Hauptsache, ich bekomme mein Traumpferd. So verlief dann auch die restliche Woche. Morgens anrufen und dann Unterricht. Als ich dann Samstag wieder um 8 Uhr am Stall ankam, war die Stute noch in ihrer Box und ich durfte sie zum ersten Mal putzen. Als ich die Box öffnete stand sie mit angelegten Ohren da. Er sagte hinter mir, gehen sie einfach rein, Sie ist halt so. Wenn man verliebt ist, denkt man da auch nicht weiter drüber nach. Ich habe sie dann geputzt, rausgeholt und gesattelt.

Dann sagte¨Herr Z. zu mir: „Heute reiten sie alleine aus, wenn sie keine Straße¨ überqueren, kommen sie auf dem Rundweg wieder zurück. Wir waren beide etwas¨ nervös, aber kamen nach einer Stunde gemeinsam wieder zurück.¨ Herr Z. sagte: „jetzt können sie den Tierarzt anrufen, um eine Ankaufsuntersuchung zu machen und dann können sie das Pferd abholen unter¨ der Bedingung, das das Pferd in einen Stall kommt und täglichen Weidegang¨ hat.“ Als alles erledigt war, Tierarzt, Box gemietet, Pferd bezahlt, mietete ich einen Hänger und fuhr zum Gestüt, um sie zu holen. Sie wurde in den Hänger geführt, als wäre es nichts Besonderes und ich fuhr mit ihr in den neuen Stall. 

Ich hatte für mich beschlossen, wenn ich dieses tolle Pferd bekomme, höre ich auf zu rauchen, was ich dann auch sofort tat. 

Im neuen Stall angekommen, lud ich sie aus und brachte sie in ihre neue Box, versorgte sie und fuhr dann überglücklich nach Hause. Am nächsten Morgen im Stall angekommen, war es dann vorbei mit dem Glücksgefühl. Mit aufgerissenem Maul ging sie auf mich los und wollte mich beißen. Das konnte ich abwehren. Dann drehte sie sich mit dem Kopf zur Ecke und zeigte mir ihr Hinterbein. Mit einem Besen habe ich sie dann wieder in meine Richtung bewegt.

Nach langem hin und her konnte ich ihr dann das Halfter aufziehen und sie rausholen, wobei sie mich fast umrannte und mir erklären wollte, wo es lang geht. Ich hab sie dann gesattelt und bin mit ihr ausgeritten, was überhaupt kein Problem war. Zurück im Stall brachte ich sie dann auf die Koppel, wo sie dann ganz zufrieden graste und ihre Kollegen kennenlernen durfte, die erstmal nebenan auf der Wiese standen. Später wurde ich dann vom Stallbesitzer angerufen, ich solle kommen, mein Pferd würde sich nicht von der Koppel holen lassen. Mit dem Futtereimer bewaffnet ging ich dann zur Weide und versuchte sie einzufangen, was dann auch nach kurzer Zeit gelungen ist. 

Allerdings zog sie mich dann durch den halben Hof.  Das reiten mit ihr war ein Traum, aber der Umgang ein Alptraum. Sie respektierte nichts und niemanden. Ich hatte mein Traumpferd bekommen und es war nur noch ein Alptraum. Ich war todunglücklich. Zuhause konnte ich meinem Mann nicht sagen, was ich erlebte, wo er mir doch dieses viel zu teurere¨ Pferd gekauft hatte, das ich unbedingt haben wollte. Im Stall musste jeder einen Bogen um ihre Box machen, da sie wie ein Dobermann rausgeschossen kam  und biss. Das Ganze hat lange 3 Monate gedauert bis sie mich akzeptierte. Danach war  sie zu mir wie ein Hund. 

Ich konnte alles mit ihr alles machen, sie mitten auf dem Hof stehenlassen ohne anbinden und sie hat einfach gewartet bis ich wiederkam und wenn es zulange dauerte, hat sie nach mir gerufen. Dafür erwartete sie aber von mir persönliche Anwesenheit. Wenn ich morgens in den Stall kam, sagten die Kollegen schon, dein Pferd wartet und wehe ich war nicht pünktlich, dann wurde ich mir nicht beachten bestraft. Zu Fremden war sie wie ein Wachhund und eine Reitbeteiligung zu finden war auch nicht möglich.

Sie war ein echtes Kampf und Einmannpferd, aber das beste was ich je hatte. Ein echter Achal Tekkiner eben.

Leider lebt sie heute nicht mehr. Sie ist im Oktober 2014  mit 16 Jahren gestorben. Aber sie hat uns einen kleinen Hengst hinterlassen. Djamil. Sie hat ihn am 8.5.2013 zur Welt gebracht. Er ist, wie nicht anders zu erwarten, ein wunderschöner, aufgeweckter kleiner Kerl und der Sonnenschein eines Jeden, der bislang mit ihm in Berührung kam. 

Danke für diesen netten Beitrag, den uns eine ganz liebe Bekannte über ihr Pferd zur Verfügung gestellt hat!